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Johann Sebastian Bach - Hohe Messe in h-Moll
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Am
5.
März 2017 kam die h-Moll-Messe von Joh. Seb. Bach zur
Aufführung.
Der Chor wurde begleitet vom Ensemble Lodron München.
Solisten waren
Priska Eser (Sopran I), Sabine Staudinger (Sopran II),
Andreas Hirtreiter (Tenor)
und Thomas Ruf (Bass). |
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Die Musiker vom Ensemble Lodron nehmen
Platz. |
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Jetzt wird es bald losgehen! |
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Eine kleine Einführung für die Zuhörer ist schon Standard
bei den Konzerten des Oratorienchors. |
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Der Oratorienchor wie gewohnt unter der Leitung von
Christine Gampl.
Die Solisten Priska Eser (Sopran I), Sabine Staudinger
(Sopran I), Andreas Hirtreiter (Tenor) und Thomas Ruf (Bass)
sowie Peter Gampl an der Truhenorgel genießen den Applaus
des Publikums zu Beginn des Konzerts. |
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Zur Entstehungsgeschichte der h-Moll
Messe¹? |
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Seit ihrer Entstehung vor mehr als 255 Jahren oder
spätestens seit ihrer Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert
stellen sich Musikfreunde und Musikforscher gleichermaßen
die Frage, warum Johann Sebastian Bach als überzeugter
Lutheraner den Text der katholischen Messliturgie in dieser
konzertanten Form vertonte und warum er dies mit so
offensichtlich großer Sorgfalt tat. Die h-Moll-Messe nimmt
in Bachs Gesamtwerk eine Sonderstellung ein, nicht nur wegen
des Textes und der abendfüllenden Länge, sondern vor allem
wegen ihrer satztechnischen Komplexität – Bach zeigt hier
das ganze Spektrum seines kompositorischen Könnens – und
ihrer ungewöhnlich langen Entstehungszeit.
Den ersten Teil der Messe, die aus „Kyrie“ und „Gloria“
bestehende „Missa“, komponierte Bach 1733 während der
mehrwöchigen von Staats wegen angeordneten Landestrauer nach
dem Tod Augusts des Starken. Er sandte diese Komposition an
den sächsischen Hof nach Dresden. Er hoffte, dem Thronfolger
August II. damit sein Können und seine Gunst zu beweisen und
zum Hofkomponisten ernannt zu werden. Dieser zeigte jedoch
zunächst keine Reaktion. Erst 1736 wurde Bach nach einem
weiteren Gesuch zum „königlich-polnischen und
kurfürstlich-sächsischen Hofcompositeur“ ernannt.
Bach konzipierte die „Missa“ vermutlich genau für die
musikalischen und auch religiösen Verhältnisse am Dresdner
Hof, denn dieser war im Gegensatz zum übrigen Sachsen aus
politischen Gründen katholisch. Wann und warum sich Bach
dazu entschloss, auch die anderen Teile des Messtextes noch
zu vertonen, ist nicht bekannt. Bei einigen Sätzen griff er
auf bereits bestehende ältere Kompositionen zurück, die er
zum Beispiel durch Veränderung der Tonart oder der
Instrumentierung dem Messtext anpaßte. Dass das Werk dennoch
in sich geschlossen wirkt, zeigt Bachs große kompositorische
Meisterschaft. Wenige Jahre vor seinem Tod fasste er die nun
aus vier großen Abschnitten bestehende ganze Messe in einem
handschriftlichen Band zusammen. Auf die Dresdner „Missa“
(„Kyrie“ und „Gloria“) folgt das „Symbolum Nicenum (Credo)“,
das den Höhepunkt der ganzen Messe darstellt. Danach folgen
„Sanctus“ und als vierter Abschnitt „Osanna, Benedictus,
Agnus Dei et Dona nobis pacem“.
Insgesamt arbeitete er mehr als zwei Jahrzehnte an diesem
Werk – eine sehr lange Zeit für den Vielkomponierer Bach,
der seine Werke meist in kurzer Zeit für bestimmte Anlässe
schrieb. Das lässt vermuten, dass er die h-Moll-Messe nicht
für eine konkrete Aufführung konzipierte, zumal die
Aufführung einer lateinischen Messe in diesem Umfang im
evangelischen Gottesdienst seiner Zeit undenkbar gewesen
wäre. Vielmehr scheint es, als wollte Bach sein
kompositorisches Können am Ende seines Lebens an diesem Werk
zusammenfassend dokumentieren. Dass er dafür den
lateinischen Messtext wählte, ist nicht verwunderlich, da
dieser schon damals der am häufigsten vertonte Text der
Musikgeschichte war. Wenn es Bach mit diesem Werk um sein
musikalisches Vermächtnis ging, wollte er damit vielleicht
auch über die Grenzen seiner eigenen Konfession
hinausweisen.
Auch der evangelische Gottesdienst hat seinen Ursprung in
der lateinischen Messliturgie und Bach war sich dieses
Ursprungs bewusst. Er stellt sich mit der h-Moll-Messe in
die Reihe der Komponisten, die diesen alten Text vertont
haben und gibt sich damit selbst einen Platz in der
Kirchenmusikgeschichte. In der h-Moll-Messe zeigt sich in
besonderem Maß Bachs Bestreben, den Text durch die Musik zu
interpretieren und seine theologische Aussage musikalisch
umzusetzen. In der Musiksprache des Barock spielt dabei die
Zahlensymbolik eine große Rolle. Die Zahl Drei als Symbol
des Göttlichen und Zeichen der Trinität, die Zahl Vier als
Symbol des Menschlichen und der irdischen Welt und die
Sieben als Summe und damit als Verbindung zwischen Gott und
den Menschen sind von Bach in allen Ebenen der Musik
eingeflochten: sei es in der Anzahl der musizierenden
Stimmen und Instrumente, im Aufbau der einzelnen Sätze, in
der Taktart oder einer bestimmten Tonfolge. Nichts scheint
zufällig – Musik und Text greifen auf diese Weise ineinander
und deuten sich gegenseitig.
Der Titel „h-Moll-Messe“ ist eine Erfindung späterer Zeiten,
vermutlich weil Bach selbst seiner Messe keinen Titel
gegeben hat. Die Tonart h-Moll verweist auf den Charakter
der Musik. In der Barockzeit galt diese Tonart als Tonart
der sanften Klage und der geduldigen Ergebung in göttliche
Fügung. Im Gegensatz dazu steht die Paralleltonart D-Dur als
Tonart des Triumphes, des Hallelujas und des freudigen
Gotteslobes. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die
Musik und spiegelt damit die zentralen Themen des
christlichen Glaubens wider, die auch im Messtext enthalten
sind: die Erinnerung an den Tod Jesu und die Freude über
Gottes Wirken. Entsprechend kontrastreich setzt Bach das für
barocke Verhältnisse groß besetzte Orchester, die Solisten
und den Chor ein – filigrane Solosätze wechseln mit
virtuosen Chorfugen und groß angelegten bis zu achtstimmigen
Chorsätzen.
Vermutlich hat Bach selbst nie eine Aufführung seiner Messe
erlebt. Die erste vollständige Aufführung erfolgte erst
1859, mehr als 100 Jahre nach ihrer Entstehung. In der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte es schon einige
Aufführungsversuche gegeben, wobei es wegen des hohen
Schwierigkeitsgrades aber nur zur Aufführung einzelner Teile
kam. Bis heute wird der h-Moll-Messe große Ehrfurcht
entgegengebracht. Der Musikschriftsteller Hans Georg Nägeli
beschrieb sie einmal als das „größte musikalische Kunstwerk
aller Zeiten“. Dies liegt vor allem an der genialen
Stringenz und Logik im inneren Aufbau des gesamten Werkes,
die bei näherer Betrachtung sichtbar werden. Aber auch
allein beim Hören hinterlässt die Musik einen
überwältigenden Eindruck. |
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Johann Sebastian Bach im Jahre 1746, mit Rätselkanon
Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann aus dem
Jahre 1748 |
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I. Missa |
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Kyrie eleison - Christe eleison - Kyrie
eleison |
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Am Anfang jeder Messe steht der dreiteilige Erbarmensruf
und Bach vertonte ihn entsprechhend in drei einzelnen
Sätzen. Chor und Orchester eröffnen das erste Kyrie eleison
mit einem flehentlich-eindringlichen viertaktigen Tutti-Ruf
in h-Moll. Nach einem Orchester-Zwischenspiel folgt eine
groß angelegte Chorfuge, deren Thema sich schrittweise nach
oben bewegt.
Ein solch stufenweises Aufsteigen des Rufs ist in der
Barockmusik eine gebräuchliche musikalische Umsetzungsformel
für das Kyrie und symbolisiert den nach oben steigenden
Gebetsruf.
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Kyrie eleison - ein eindringlich-flehentliches „Herr,
erbarme dich!“
erklingt als viertaktiger Tutti-Ruf in h-Moll. |
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Das «Christe eleison» vertonte Bach als Duett der beiden
Sopran-Soli, die in fast heiterem Gestus von den Violinen
begleitet werden. Die Duett-Form symbolisiert, dass es im
Text um Christus geht, nach christlichem Glauben die zweite
Person der göttlichen Dreifaltigkeit.
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Priska Eser (Sopran I) und Sabine Staudinger (Sopran II)
beim Duett
Christe eleison - „Christus, erbarme dich!“ |
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Das zweite Kyrie eleison ist ebenfalls eine Chorfuge. Bach
komponierte sie im Stil der Vokalpolyphonie des 16.
Jahrhunderts, was dadurch hörbar wird, daß der Satz nur
vierstimmig ist und die Instrumente die Singstimmen
mitspielen. Die Wahl dieses alten Kompositionsstils bringt
eine historische Komponente in die Musik: Bach verweist
damit auf das Erbe der alten katholischen
Kirchenmusiktradition, in der der alte griechische Bittruf
„Kyrie eleison“ auf diese Weise vertont wurde. |
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Gloria - Et in terra pax - Laudamus te
- Gratias agimus tibi - Domine Deus ... |
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Das Gloria ist der große Lobhymnus der Messe. Bach
verteilt den Text auf acht Einzelsätze und läßt dabei alle
Mitwirkenden, ob solistisch oder im Tutti, zum Einsatz
kommen. Dies läßt darauf schließen, daß Bach den
Aufführungsmöglichkeiten des Dresdner Hofes gerecht werden
wollte, für den er das Stück ursprünglich komponiert hatte.
Am Beginn steht das «Gloria in excelsis», der Lobgesang der
Engel aus der biblischen Weihnachtsgeschichte nach Lukas.
Der fünfstimmige Chor, das strahlende herrschaftliche
D-Dur und der erstmalige Einsatz der Pauken und Trompeten
machen diesen Satz dem Text entsprechend zu einem großen
Himmelslob. Dreiklangsfiguren und der Dreiachteltakt
symbolisieren die göttliche Dreifaltigkeit.
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„Gloria in excelsis deo“ - jubelnde Dreiachteltakte von
Chor, Streichern, Flöte und Oboe |
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Nach vollkommenen 100 Takten bricht der Jubel ab und die
Musik wendet sich mit der Frie- densbitte «Et in terra pax»
der irdischen Welt zu: die Trompeten schweigen, die Tonart
G-Dur verweist auf die Menschwerdung Gottes und der
Vierteltakt steht für die menschliche Welt. Am Schluss
kommen die Trompeten als Repräsentanten der göttlichen Welt
jedoch wieder hinzu und krönen verheißungsvoll die irdische
Friedensbitte.
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„Et in terra pax“ - Chor, Streicher, Flöte und Oboe wieder
im „irdischen“ Viervierteltakt |
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In der Arie «Laudamus te» treten Solosopran und
Solovioline in einen musikalischen Wettstreit. Die Arie kann
als Einleitung zum anschließenden Chor «Gratias agimus tibi»
gesehen werden. Der Satz ist wie das zweite Kyrie im alten
Kirchenstil komponiert. Die drei Trompeten, die sich am Ende
aus dem vierstimmigen Satz abspalten, verstärken auch hier
den Lobpreischarakter. Am Schluss der gesamten Messe wird
der Satz noch einmal erklingen.
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Sabine Staudinger beim Sopransolo: Laudamus te - „Wir
loben dich!“ |
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Das Duett «Domine Deus» wird in seiner Struktur von der
Zahl Drei als Symbol für die drei- einige Person Gottes
bestimmt. Zu den zwei Solostimmen (Sopran und Tenor) gesellt
sich die Flöte. Der Satz besteht aus drei mal dreißig
Takten. Der erste Takt wird am Anfang dreimal wiederholt und
auch im späteren Verlauf erklingt dieses Motiv immer dreimal
hintereinander. |
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Priska Eser und Andreas Hirtreiter im Duett: „Domine Deus,
rex coelestis!“ |
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Qui tollis peccata mundi - Qui sedes ad
dextram patris |
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Unmittelbar aus dem Duett geht der Chorsatz «Qui tollis
peccata mundi» hervor.
Das immer wiederkehrende Motiv des absteigenden Dreiklangs
mit dem anschließenden aufwärtsgerichteten Sextsprung sowie
die Tonart h-Moll und die vielen chromatischen Tonschritte
machen den flehentlich-schmerzvollen Gestus dieser
Textstelle hörbar.
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Qui tollis peccata mundi - „Du nimmst hinweg die Sünden
der Welt!“ |
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Textlich gesehen gehört die Arie «Qui sedes ad dextram
patris» zu den vorangegangenen Sätzen. Altsolo und Oboe
d´amore sind die Protagonisten dieses lieblichen Konzertes. |
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Oboe d`amore und Sabine Staudinger - „Qui sedes ad dextram
patris“ |
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Quoniam tu solus sanctus - Cum Sancto
Spiritu |
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In der Bass-Arie «Quoniam tu solus sanctus» kommt zum
einzigen Mal das Corno da caccia (Waldhorn) zum Einsatz. Die
ersten fünf Töne seines Eingangsmotivs bilden eine
Oktavfigur, die auch rückwärts gelesen dieselbe Tonfolge
ergibt. Diese strenge Symmetrie steht für die Vollkommenheit
Gottes: „Du allein“. Textausdeutend führt Bach die
Solostimme bei dem Wort „altissimus“ in die Höhe.
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Thomas Ruf (Bass) und Corno da caccia - „Quoniam tu solus
sanctus“ |
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Die Arie mündet in den großen fünfstimmigen Jubelchor «Cum
Sancto Spiritu», in den eine fulminant-virtuose Chorfuge
eingeflochten ist und der mit überschäumender Freude das
Gloria beschließt. |
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Cum Sancto Spiritu - „Mit dem heiligen Geist in der
Herrlichkeit Gottes, des Vaters“ |
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II. Symbolum Nicenum |
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Das 9-teilige Credo, das überwiegend vom Chor getragen
wird, ist der Höhepunkt der ge- samten Messe. Ihm liegt der
Text des sogenannten Nicäno-Konstantinopolitanums aus dem
5. Jahrhundert zu Grunde. Der Text ist erstmals überliefert
vom Konzil von Chalcedon (451), wo er öffentlich verlesen
und als Glaubensbekenntnis von Konstantinopel („Bekenntnis
der 150 heiligen Väter“) bezeichnet wird.
Auffallend ist die perfekte Symmetrie des ganzen Abschnitts:
Den Rahmen bilden jeweils zwei Chorsätze, von denen jeweils
der erste ein nur vom Continuo begleiteter A-cappella-Satz
ist. Die drei zentralen Themen des christlichen Glaubens –
Menschwerdung, Kreuzigung und Auferstehung – stehen als
Chorsätze in der Mitte. Sie werden von zwei Solosätzen
eingerahmt. |
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Credo in unum Deum - Patrem
omnipotentem - Et in unum Dominum |
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Im eröffnenden «Credo in unum Deum» verwebt Bach drei
Epochen der Kirchengeschichte in die Musik: Das Fugenthema
ist der Anfang einer mittelalterlichen gregorianischen
Melodie, die auch in der lutherischen Liturgie in Gebrauch
geblieben ist. Die vokalpolyphone Setzweise der anderen
Stimmen symbolisiert die Erneuerung des Glaubens durch die
Reformation im 16. Jahrhundert. Und die Art der
Instrumentierung, besonders der Einsatz des Basso continuo,
verweist auf die kirchenmusikalische Praxis zur Zeit Bachs
und damit auf den Glauben des
18. Jahrhunderts. Die siebenstimmige Fuge mit dem
siebentönigen Thema (der fünfstimmige Chorsatz wird durch
zwei Violinen ergänzt) geben der Musik zusätzliches
symbolisches Gewicht, denn die Zahl sieben steht für die
Verbindung zwischen Gott und den glaubenden Menschen. |
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Credo in unum Deum - „Ich glaube an den einen Gott“ |
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Der anschließende konzertant-fröhliche Tutti-Satz «Patrem
omnipotentem» führt, ebenfalls in Form einer Fuge, den
ersten Glaubensartikel weiter.
Den zweiten Glaubensartikel «Et in unum Dominum» komponierte
Bach als Kanon zwischen Sopran- und Altsolo. Die Wahl der
Tonart G-Dur und der Viervierteltakt verdeutlichen auch in
diesem Duett, dass es um den Menschensohn Christus geht. |
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Priska Eser (Sopran I) und Sabine Staudinger (Sopran II)
beim Duett
Et in unum Dominum, Jesum Christum - „Und an den einen
Herrn, Jesus Christus“ |
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Et incarnatus est - Crucifixus - Et
resurrexit |
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Auf fast lautmalerische Weise vertont Bach in den
folgenden drei Chorsätzen die zentralen Themen des
christlichen Glaubens. Im «Et incarnatus est»
versinnbildlichen die abwärtsge- führten gebrochenen
Molldreiklänge, wie Gott durch seinen Sohn auf die Erde
gekommen ist. Die Auf- und Abbewegung der Violinen
beschreibt bildlich eine Kreuzfigur – dieses Motiv weist
bereits auf den folgenden Satz hin. |
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Für das «Crucifixus» nahm Bach den Eingangschor seiner
Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ als Vorlage. Der
Affekt der Trauer und des Schmerzes wird durch die
abwärtssteigenden Halbtonschritte erzeugt. Über einer sich
ständig wiederholenden schmerzvoll absteigenden Bassfigur
setzten die Stimmen von oben nach unten ein. Man meint, das
Herabnehmen des Leichnams vom Kreuz und am Ende des Satzes
die Grablegung zu hören. |
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Thomas Ruf (Bass), Andreas Hirtreiter (Tenor), Sabine
Staudinger (Sopran II)
und Priska Eser (Sopran I) beim Quartett: Crucifixus - „Der
gekreuzigt wurde für uns“ |
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In österlichem Jubel erhebt sich jedoch sofort danach das
«Et resurrexit» – ein langer konzertanter Tutti-Satz in
strahlendem D-Dur. |
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Et resurrexit - „Und ist auferstanden von den Toten“ |
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Et in Spiritum Sanctum - Confiteor unum
baptisma - Et expecto |
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Die Bass-Arie «Et in Spiritum Sanctum» handelt von der
dritten Person der Trinität.
Bach gliedert den Text in drei Abschnitte, die durch kurze
Instrumentalzwischenspiele verbunden sind. |
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Thomas Ruf (Bass): Et in Spiritum Sanctum - „Und an den
Heiligen Geist“ |
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Der zweite Rahmenblock des Credo beginnt mit dem
«Confiteor». Auch dieser Satz ist im alten Stil komponiert.
Bach verarbeitet hier dieselbe gregorianische Melodie, deren
Anfang im ersten Credo-Satz erklungen ist. Die Choralmelodie
erscheint jedoch erst in der zweiten Satzhälfte in
verschiedenen Stimmen.
Beim Übergang zum jubelnden Schlußsatz «Et expecto»
durchschreitet Bach in einer für seine Zeit kühnen
Modulationsart alle Tonarten des Quintenzirkels. Auf diese
Weise setzt er den Glauben an die Umwandlung des Todes in
das ewige Leben musikalisch um. |
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Et expecto resurrectionem mortuorum- „Ich erwarte die
Auferstehung von den Toten “ |
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III. Sanctus |
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Das «Sanctus» ist der älteste Teil der h-Moll-Messe. Bach
komponierte ihn für das Weihnachts- fest 1724 und fügte es
später in überarbeiteter Form in die Messe ein. |
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Das Dreimal Heilig ist das Gotteslob, das sich die
himmlischen Heerscharen zuwerfen (Jesaja 6, 1-4), und so
scheinen sich auch die sechs Chorstimmen das Lob gegenseitig
zuzuwerfen. Die durchgehenden Triolen symbolisieren die
göttliche Trinität, und die markante Bassfigur in
absteigenden Oktaven steht für die Vollkommenheit Gottes.
Aus dem himmlischen Gotteslob geht die spielerische
„Pleni“-Fuge hervor, die das Sanctus beschließt. |
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Sanctus, sanctus, sanctus - „Heilig, heilig, heilig“ |
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IV. Osanna, Benedictus, Agnus Dei und
Dona nobis pacem |
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Osanna und Benedictus sind liturgisch eng mit dem Sanctus
verbunden. Bach stellt diese Verbindung musikalisch her,
indem er das Anfangsmotiv des Osanna bereits am Schluß des
Sanctus im Baß erklingen läßt. |
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Im «Osanna» wird das überschwengliche Gotteslob des
Sanctus weitergeführt und gesteigert, da Bach den Chor zum
Doppelchor erweitert. |
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Osanna in excelsis - „Hosanna in der Höhe“ |
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Die Tenor-Arie «Benedictus» weist mit der erneuten
Verwendung von h-Moll noch einmal auf die Aspekte Bitte um
Erbarmen (Kyrie), Menschwerdung (Incarnatus) und Erlösung
(Qui tollis peccata) hin. Die anschließende Alt-Arie «Agnus
Dei» nimmt diesen meditativen Ton auf. |
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Andreas Hirtreiter (Tenor) und Flauto amabile -
„Benedictus“ |
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Der Schlusschor «Dona nobis pacem» ist ein Rückgriff auf
den Satz «Gratias agimus tibi» aus dem Gloria. Dadurch
erhält die Messe einen in sich geschlossenen Charakter.
Obwohl es dieselben Töne sind, hat die Musik hier einen
gänzlich anderen Charakter: hier ist es kein Lobpreis,
sondern die abschließende flehentliche Bitte um Frieden. |
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Dona nobis pacem - „Gib uns den Frieden“ |
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Es ist geschafft! Christine Gampl, die Solisten, das
Ensemble Lodron München und der Oratorienchor genießen den
Applaus des Publikums. |
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Verdienter Applaus am Ende des Konzerts -
„Dankeschööön!!!“ |
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